Der Einfluss des Hundeführers und die Problematik von Double Blind Tests

In einer Studie der SWGDOG (Scientific Working Group on Dog and Orthogonal Detector Guidelines) aus dem Jahre 2010 stellen die Autoren fest, dass bei Ihren Versuchen mit Sprengstoffhunden die Annahmen der Hundeführer über das mögliche Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Sprengstoff in den Suchen einen Einfluss auf das Suchergebnis der Hunde hat: Handler beliefs affect scent detection dog outcomes (Lisa Lit, Julie B. Schweitzer and Anita M. Oberbauer).
In einer späteren Studie des Ethology Institute Cambridge and GNR aus dem Jahre 2012 kommt man hingegen zu einem völlig anderen Ergebnis; die Voreingenommenheit des Hundeführers habe keinen Enfluss auf die Suchleistung der Hunde: Handler Beliefs Do Not Affect Police Dog Detection Outcomes (Abranmto Pintes, Rodrigo, Pinto), 2012.

Aus eigenen Beobachtungen neige ich dazu, dem Einfluss des Hundeführers einen großen Stellenwert zuzuschreiben. Was sich in diesem wissenschaftlichen Disput vor allem aber sehr schön zeigt, ist die Komplexität einer korrekten wissenschaftlichen Arbeit auf einem vermeintlich einfachen Gebiet. In einem Kommentar auf die erstgenannte Studie wird den Autoren vorgeworfen, nicht kosequent wissenschaftlich die Doppelblindtests durchgeführt zu haben.

The authors stated a “double-blind” test was conducted. In a conventional double-blind test, neither the tester nor the canine team would know any parameters of the test. The authors did not describe if the handlers were given instructions not to discuss their search results or whether they were sequestered until the conclusion of the study. In this study the handl ers were instructed that “each condition might contain up to three target scents and that target scent markers consisting of a red piece of construction paper would be present in two conditions. It is SWGDOG’s opinion that the authors should have provided some discussion of the extreme nature of the bias that was intentionally created relative to a typical detector dog scenario.“

Wir sollten uns im klaren darüber sein, dass wir in unseren Doppelblind-Trainings vielleicht glauben, in Doppelblind-Szenarien zu arbeiten. Harten wissenschaftlichen Kriterien würden diese vermeintlichen Doppelblind Tests jedoch niemals Stand halten. Insofern haben diese Tests keine höhere Aussagekraft als Single-Blind Tests. Die Performance von Teams in solchen vermeintlichen Doppelblind Tests sind nach objektiven wissenschaftlichen Kriterien nicht höher zu werten als in Single-Blind Tests. Allerdings sind Double Blind Tests näher an dem tatsächlichen Einsatzgeschehen angelehnt als Single Blind Tests.