Der Einfluss von Wirkstoffen auf den Geruchssinn von Hunden

Letztes Jahr (2015) wurden zwei interessante Studien veröffentlicht, die sich von unterschiedlichen Seiten mit der Frage beschäftigen, in wie weit der Geruchssinn von Hunden durch den Einfluss von künstlichen Substanzen beeinflusst wird.

Dabei ist die Fragestellung keineswegs rein akademischer Natur. Man kennt die Situationen an Tankstellen, wo Benzindämpfe bereits den eigenen Geruchssinn des Menschen nachhaltig beeinflussen. Beim Menschen ist bekannt, dass Hyposmie, also der ganze oder teilweise Verlust des Geruchssinns durch eine große Anzahl von Substanzen verursacht werden kann. Genannt werden unter anderem die Einnahme von Antihistaminen, Antidepressiva oder ACE-Hemmern, das Einatmen von Chlor oder Benzol, oder langjähriger Kontakt mit Holz- oder Metallstaub oder Rauch. Auch Zinkmangel kann eine Ursache sein; eine Information, die hier weiter unten noch einen interessanter Aspekt sein wird. (Wikipedia: Hyposmie)

Sollten bestimmt Substanzen den Geruchssinn von Spürhunden negativ beeinflussen, wäre dies ein wichtiger Umstand beim Einsatz von Drogen- und Bombenspürhunden.

Standardmedikation Metronidazol kann einen Einfluss auf das geruchliche Vermögen haben

Ball-and-stick model of metronidazole.

Ball-and-stick model of metronidazole.

Krankheiten können von sich aus bereits den Geruchssinn temporär oder irreversibel beeinflussen. Dies kann aber auch durch den Einfluss von Medikamenten geschehen, von denen man zunächst eine solche Wirkung gar nicht annehmen würde. Metronidazol und Doxycyclin sind zwei weit verbreitete Antibiotika. Ende 2015 veröffentlichte das American Journal of Veterinary Research die Ergebnisse einer Studie, die den Einfluss dieser Medikationen auf die Performance von Sprengstoffsuchhunden untersuchte. („Effects of oral administration of metronidazole and doxycycline on olfactory capabilities of explosives detection dogs„, American Journal of Veterinary Research, August 2016, Vol. 77, Pages 906-912, doi: 10.2460/ajvr.77.8.906)

18 gesunden Sprengstoffspürhunden wurde über einen Zeitraum von 10 Tagen jeweils eines der Antibiotika verabreicht und in einem Standardtest am „Scentwheel“ ihre Performance bei der Identifikation von Standardsprengstoffen an den Tagen 0, 5 und 10 überprüft.

Unter dem Einfluss einer normalen Dosis von Metronidazol zeigten 9 von 18 Hunden eine signifikant schlechtere Identifikationsrate bei 2 von 3 Sprengstoffen. Metronidazol ist beim Menschen bekannt dafür, dass es einen negativen Einfluss auf den Geschmackssinn hat (metallischer Nachgeschmack). Es wird vermutet, dass Metronidazol einen teilweisen Verlust des Geruchssinns (Hyposmie) beim Hund verursacht, der aber reversibel ist.

Keine Beeinträchtigung bei Doxycyclin

In der gleichen Studie wurde dagegen kein signifikanter Einfluss auf den Geruchssinn bei Hunden unter dem Einfluss von Doxycyclin festgestellt. Die Autoren weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass in dem Versuch allein Labradore teilnahmen, man vermutet jedoch, dass keine besonderen rassespezifischen Unterschiede in den Untersuchungsergebnissen zu erwarten seien.

Insgesamt also ein interessantes Untersuchungsergebnis mit praktischer Relevanz für Hundeführer mit Spürhunden, bei Infektionen lieber auf Metronidazol zu verzichten. Doxycyclin ist aufgrund eines anderen Anwendungsgebietes keine Alternative.(*) Allerdings sollte ein kranker Hund in jedem Fall besser bis zur vollständigen Genesung außer Dienst gestellt werden.

In einem zweiten Teil stellen wir eine Studie vor, wie sich der Geruchssinn von Hunden durch Substanzen steigern lässt.

 

(*) In einer früheren Version des Artikels hatten wir fälschlicher Weise auf Doxycyclin als Alternative zu Metronidazol verwiesen. Danke Ina für den fachlichen Hinweis, den wir hier gerne korrigieren.

(Foto: 190/365 - 07/09/11 - Pills Flickr/PROShardayyyCC BY 2.0)

(Ball-and-stick model of metronidazole. Wikipedia)

(Foto: 190/365 - 07/09/11 - Pills Flickr/PROShardayyyCC BY 2.0)