Ein guter Trail ist …

… ja, was ist denn eigentlich ein guter Trail? Wir treffen uns zum Training. Ganz entspannt. Man tauscht die Neuigkeiten aus und nach ein paar Minuten wird kurz abgemacht, wer als erster einen Trail auslegt, wer sucht und wer der Runner ist. Und dann kommt die wichtigste Frage des ganzen Tages: „Was magst‘ denn haben?“. – Und prompt kommt die Antwort: „Mach einfach!“. Klingt lässig, ist aber ebenso gedankenlos: Weil oftmals ebenso nachlässig der Trail dann auch gelegt wird. Und mit Nachlässigkeiten trainiert man sich schnell eine Kink rein. (Kink, der oder die: Seemannssprache und norddeutsch für Knoten, Fehler im Tau) Und eine Kink kann schnell ein Schiff manövrierunfähig machen.

„Ein guter Trail ist ein Trail, der vom Schwierigkeitsgrad den Fähigkeiten des Teams angepasst ist.“ – Stimmt, aber das ist eigentlich ein No-brainer. Das sagt alles und nichts aus.

One way – wrong way

Wenn wir an einen guten Trail denken, der uns herausfordert, dann fallen uns viele lustige Dinge ein. Trails über Brücken, durch Einkaufspassagen, durch einen Bach, über offene Plätze, Hauptverkehrsstraßen und auf Dachterrassen. Wir haben ungewöhnliche Verstecke, stopfen unsere Runner in Mülltonnen, in Gullis und Cafés und die Hunde meistern das alles immer wieder erstaunlich gut. Um Missverständnissen vorzubeugen: Diese Trails sind wichtig und gut und schulen den Hundeführer und den Hund sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Diese Trails fördern die Alltagsneutralität und die Konzentration der Hunde, was unabdingbare Voraussetzungen sind für ein sicher arbeitendes Team. In Summe sehen die Trails dann wie folgt aus:

Alle diese Trails haben allerdings eines gemeinsam: Sie führen alle One-Way vom Start zum Ziel. Ab und zu wird eine Stichstraße genutzt, um einen Backtrail zu legen. Aber selten bis nie wird mal ein „P“ gelegt.

„Wozu ein <<P>>? Wir arbeiten doch den ganzen Vormittag auf dem gleichen Gelände. Da liegen spätestens nach einer Stunde so viele Trails auf dem Boden, dass man das ganze Alphabet buchstabieren könnte.“ So habe ich bis vor kurzem auch gedacht. Bis mir Alex und Rovena vor wenigen Wochen mal einen ihrer Trails legten. Und ich muss wirklich sagen, der war absolut fair. In einem ruhigen Wohngebiet mit so gut wie keinem Straßenverkehr. Dennoch ist mein Hund verwirrt ausgestiegen und wir haben mit Ach und Krach den Hund zur VP gebracht. Auch die Trainings danach zeigten immer die gleiche Problematik, die ich auch zu Hause in eigenen Trails gut nachvollziehen konnte.

Rovena und Alex beschreiben das gut in Ihrem Buch im Kapitel „Die Kunst des Trail-Legens“, aber man erkennt den Trainingseffekt dieser Trails eigentlich erst, wenn man solche Trails mal tatsächlich arbeitet. PEs ist eben ein Unterschied, ob das gesamte Gelände voll ist mit dem Geruch der VP von vor 20 Minuten und dann ein frischer Trail schön gerade aus darüber gelegt ist. Oder ob der Hund geradeaus auf einen Trail kommt, der im Gegenuhrzegersinn um einen Häuserblock führt um dann nach rechts heraus zu führen. Der Hund muss dann nämlich am Knotenpunkt  differenzieren:

  • von Links kommt eine Spur, die wesentlich frischer (leckerer!) als der bisherige Trail ist, aber ein Backtrack ist
  • nach rechts führt ein Trail, der noch frischer ist, der sich dann aber auftrennt und erneut um das Gebäude führt
  • und zuletzt führt der frischeste Trail aus dem P heraus zum Ziel.

Alle diese Gerüche haben zeitlich nur wenige Sekunden Unterschied und sind daher eher eine Herausforderung in der Geruchsdifferenzierung, als ein One-Way-Trail. Ein guter Hund, der aber in solchen Situationen unerfahren ist, arbeitet sich an einer solchen Stelle schnell auf. Er umrundet das Haus und muss erst mühsam den Knoten ein zweites Mal ausarbeiten bis es weiter geht. Wertvolle Zeit und knappe Ressourcen werden dabei vergeudet. Wenn man dann vor einem Trail steht, bei dem mehrere solcher Schleifen hintereinander geschachtelt sind, dann macht auch ein guter Hund mangels Erfahrung aus einem kurzen Trail eine kleine Himmelreise.

Wer faul ist, darf nicht dumm sein

Ich habe den Eindruck, dass unsere Hunde diesen Spruch und die dazu nötige Intelligenz mit in die Wiege gelegt bekommen haben. Und weil das so ist, sollte man beim Legen eines Trails immer im Kopf haben, dass unser Hund jede Nachlässigkeit bei Auslegen eines Trails nutzt, um ohne dass wir es merken, über eine leichtere geruchliche Lösung zum Ziel zu kommen. Ein guter Trail ist daher gut im Vorhinein durchdacht und Alex und Rovena legen wirklich gut durchdachte Trails.

408497650_a1fbde3204_bWie oft sieht man in Trainings (und da habe ich mich in der Vergangenheit nicht ausgenommen), dass der Backup und die Versteckperson ins gemeinsame Gespräch vertieft den Trail legen. Schön: am Ziel wählt der Backup vielleicht einen anderen Weg zurück. Aber der Hund hat so immer eine schöne Autobahn bis zum Ziel. Die letzten 100 Meter müssen dann vielleicht noch mit dem Geruch der VP überbrückt werden.

Unsere Hunde sind nicht doof: Sie lernen so, dass der Geruch des Backups auch zum Ziel führt. Und wenn es geruchlich kompliziert wird, dann hat der Hund mit dem vertrauten Geruch des Backups immer einen Joker in der Hand, der ihm über die Klippe hilft. Um das zu vermeiden dirigieren die beiden K9er die Versteckperson aus der Entfernung und queren den Trail so, dass die Spur des Backups immer weg vom Trail ins Nirvana führt. Eine andere Variante davon habe ich kürzlich bei Bernhard Meyerhofer gesehen: Er geht parallel vom Trail ein paar Blocks versetzt zurück und dabei immer wieder auf Stichwegen zum Trail und wieder auf seinen Backtrack. Auf diese Weise wird der Hund geschult, dass Ihn der Trail des Backups nie zum Ziel führt. Damit unerfahrene Hunde arbeiten sich an solchen Problemen schnell auf.

Und das hat durchaus praktische Relevanz:  Denn im Einsatz wird das Team vielleicht von einer Person, die vorher schon im Suchgebiet unterwegs war, begleitet. Der Hund muss daher sicher sein, diese Spuren zu ignorieren, auch wenn es mal komplex wird. Ein Hund der an dem Punkt nicht souverän und ressourcensparend arbeitet ist im Einsatz wenig hilfreich.

Die Trails, die ich bei Alex und Rovena gesehen habe sind sehr schön durchdacht um den Hund zu vermitteln, schnell und zügig ohne viele Umwege zum Ziel zu kommen. Alles zu beschreiben würde hier zu weit führen und wird von den beiden in einem gesonderten Seminar vermittelt.

Wir kommunizieren über die Art, wie wir Trails legen mit dem Hund

Wir machen ihm über die gestellten Aufgabenstellungen verständlich, was wir von ihm wollen. Dazu gehört auch das Einbringen von frischen Trails von Verleitungspersonen. Und auch ein „U“ ist kein  No-Go; man muss es nur richtig auslegen. Ein Trail der klar kommuniziert, den Hund stets in der Geruchsdifferenzierung herausfordert und dem Hund alle Hintertürchen verbaut, ist für mich ein guter Trail. Mit dem Rest holt man sich nur Kinken rein und ist plötzlich manövrierunfähig.

 

Bildquelle: vielen Dank an Monika, Tim und Harmke für die Bilder ihrer Trails, die ich hier verwenden durfte.

Titelfoto von: dalvenjahCC BY 2.0