Haben verschiedener Hunderassen und Wölfe wirklich unterschiedliche olfaktorische Fähigkeiten?

Untersuchung der olfaktorischen Fähigkeiten: Ein Vergleich verschiedener Hunderassen und Wölfe in einer natürlichen Testumgebung

Viele Hunderassen sind speziell auf eine hohe Leistungsfähigkeit ihres Geruchssinns gezüchtet. Ob Hunderassen, die mit diesem Ziel gezüchtet wurden, tatsächlich eine gesteigerte olfaktorische Leistungsfähigkeit vorweisen können als andere Hund oder sogar Wölfe, mit denen sie gemeinsame Vorfahren haben, wurde bisher wissenschaftlich nicht untersucht. In einer im Mai 2016 veröffentlichen Studie wurde ein leicht durchzuführendes Verfahren vorgestellt, das kein vorheriges Training erfordert und geeignet ist, um die Unterschiede in den olfaktorischen Fähigkeiten zwischen vier Gruppen von Kaniden zu messen: (1) Hunderassen, die auf ein gesteigertes Reichvermögen hin gezüchtet wurden; (2) Hunderassen, bei denen andere Zuchtziele verfolgt wurden; (3) Hunderassen mit extrem kurz gezüchteten Schnauzen; und (4) von hand aufgezogene Wölfe. Bei dem Testverfahren wurde ein Köder aus rohem Fleisch in einem von vier identischen Behältern versteckt. Die Tiere wurden entlang der in Reihe aufgestellten Behälter geführt und hatten die Aufgabe, allein mit Hilfe des Geruchs zu ermitteln, welcher der Behälter den Köder enthält. Das Verfahren bestand aus 5 unterschiedlich hohen Schwierigkeitsstufen, die definiert waren durch die Anzahl der Löcher auf dem Behälterdeckel.

 

Der Versuchsaufbau ist in den folgenden Video-Beispielen verdeutlicht:

  • Video. Beispiele für eine Anzeige durch einen Wolf. (MP4)
  • Video. Beispiel für eine Anzeige durch einen Hund. (MP4)
Die Testergebnisse

Die Testergebnisse

Spürhunderassen sind leistungsfähiger im Bereich der Geruchsdifferenzierung

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Rassen, die ursprünglich speziell für die Nasenarbeit gezüchtet wurden, in der Tat höhere olfaktorische Fähigkeiten haben, als Rassen, die nicht für diese Arbeit selektiert wurden. Sie waren nicht nur erfolgreicher als die Hunde der anderen Gruppen, sondern sie waren auch die einzige Hundegruppe, die in der schwierigsten Stufe besser abschnitten als das statistische Zufallsergebnis. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass, trotz der modernen Hundehaltung, die stärker auf das Zusammenleben mit dem Menschen oder andere morphologische Eigenschaften ausgerichtet ist, die ursprünglichen angezüchteten Funktionen dieser Rassen in Bezug auf eine hohe Nasenleistung beibehalten wurden.

Kurze Nasen haben nachteilige Auswirkungen auf den Geruchssinn

Die Ergebnisse unterstützen auch die Annahme, dass eine Zucht und Selektion auf kurze Schnauzen den Geruchssinn nachteilig beeinflusst, Hunderassen mit extrem kurzen Schnauzen verzeichneten die schlechtesten Testergebnisse aller Gruppen.

Natürliche Testumgebungen sind zuverlässiger als Tests, die ein vorheriges Training erfordern

Die  Test in dieser Studie erforderten kein vorheriges Training der Hund auf die Aufgabenstellung (natürliche Testumgebung) sonder stützen sich auf die intrinsische Motivation der Hunde, das Ziel zu erfüllen (das gleichzeitig selbstbelohnend war). Demgegenüber gibt es Studien mit durchaus gegenteiligen Ergebnissen, die jedoch eine umfassende Ausbildung der Hunde über mehrere Tage erforderlich machten, um den Hunden die Anzeige eines biologisch irrelevanten Geruchs (Mineralöl) zu trainieren. Es st davon auszugehen, dass dieses vorherige Training die Studienergebnisse verfälscht. Dies deutet darauf hin, dass die Fähigkeit der Hunde für diese Arten der Geruschsdifferenzierung nicht nur von ihren olfaktorischen Fähigkeiten abhängig sind, sondern auch von ihrer Trainierbarkeit und Motivation.
Zusammenfassend liegt der große Vorteil der in der Studie vorgestellten natürlichen Testumgebung in der schnellen Durchführbarkeit der Tests, die ein schnelles Screening der relativen olfaktorischen Fähigkeiten im Vergleich zu anderen Individuen einer Testgruppe von Hunden ermöglicht. Sie ist eine simple und praktische Testmethode die kein zusätzliches aufwändiges und fehleranfälliges Vortraining erfordert.

Frei übersetzt aus Polgár Z, Kinnunen M, Újváry D, Miklósi Á, Gácsi M (2016) A Test of Canine Olfactory Capacity: Comparing Various Dog Breeds and Wolves in a Natural Detection Task. PLoS ONE 11(5): e0154087. doi:10.1371/journal.pone.0154087

Copyright: © 2016 Polgár Et Al. Die Studie ist eine open-Access-Artikel unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution License.

(Foto: Der TestaufbauCC BY 4.0)