Spiel mit dem Hund als Belohnung steigert den mentalen Trainingseffekt

Wenn der Hund im Mantrail-Training die gesuchte Person gefunden hat, kommt der wichtigste Teil des Trainings: die Belohnung. Viele schwören auf die Futterbestätigung. Andere Hunde dagegen präferieren ausgiebiges Spielen als Belohnung. Auf welche Art der Hund am Ende der Aufgabe bestätigt wird ist grundsätzlich abhängig von der jeweiligen individuellen Präferenz des Hundes. Aber hat Spielen wirklich einen positiven Effekt auf das Lernen beim Hund?

In einer viel beachteten Studie, die im Oktober 2016 in dem Fachmagazin Physiology & Behavior veröffentlicht wurde, ging man der Frage nach, welchen Effekt das Spiel nach dem Training auf die Lernkurve bei Hunden hat. Hierzu wurden 16 Labrador Hunde an zwei aufeinander folgenden Tagen auf eine bestimmte Aufgabe trainiert (hier die Unterscheidung von zwei Objekten). Die Hunde wurden entweder verbal korrigiert bei falschen Entscheidungen oder durch Futter bestätigt bei richtigen Entscheidungen. Die Lernkurven wurde anhand des Verhältnisses von richtigen zu falschen Lösungen der Hunde gemessen. Hierbei wurden zwei Gruppen eingeteilt: Die eine Gruppe sollte jeweils nach einer Trainingssession eine halbe Stunde in Ihrem Hundebett ausruhen. Die zweite Gruppe wurde dagegen direkt nach der Trainigseinheit eine halbe Stunde ausgeführt wovon 10 Minuten intensiv mit dem Hund gespielt wurde (Ballspiel, Frisbeespiel oder Tauziehen mit einem Spielzeug).

Spielen nach einer Trainingseinheit bewirkt messbar steilere Lernkurven und niedrigere Stresshormonpegel beim Hund

Es zeigte sich, dass neben der Futterbestätigung während des Trainings ein ausgiebiges Spiel nach dem Training einen signifikant positiven Einfluss auf die Lernerfolge der Hunde hatte. Die Hunde, mit denen nach dem Training gespielt wurde, wiesen eine deutlich gesteigerte Lernkurve auf. Darüber hinaus führte das Spiel nach dem Training zu einer messbaren Verringerung des Stresshormons Cortisol. Die Hunde, die nur ausruhten, zeichneten sich durch flachere Lernkurven und gleichbleibende Cortisolwerte aus

Interessant ist bei dieser Studie vor allem aber der Vergleich der Lernkurven zwischen dem ersten und dem zweiten Tag. Die Hunde in der Spielgruppe (b) zeigten zwar bereits am ersten Tag eine deutliche schnellere Auffassungsgabe und erreichen ihre Lernkurve bei 80-100% wesentlich schneller als die Kontrollgruppe (a).

Daten entnommen aus: Playful activity post-learning improves training performance in Labrador Retriever dogs ( Canis lupus familiaris ) Physiology & Behavior. Affenzeller, Nadja; Palme, Rupert; Zulch, Helen. Veröffentlicht January 1, 2017. Volume 168. Seiten 62-73. © 2016.

Daten entnommen aus: Playful activity post-learning improves training performance in Labrador Retriever dogs ( Canis lupus familiaris ) Physiology & Behavior. Affenzeller, Nadja; Palme, Rupert; Zulch, Helen. Veröffentlicht January 1, 2017. Volume 168. Seiten 62-73. © 2016.

Am deutlichsten zeigt sich aber der positive Effekt des Spiels nach dem Training am zweiten Tag: Die Lernkurven in der Spielgruppe (b) waren nicht nur deutlich im Bereich von 80-100%, sie zeigten auch einen wesentlich stetigeren und gleichmäßigen Verlauf im oberen Bereich. Die Kontrollgruppe zeigten dagegen wesentlich mehr Ausreißer nach unten und eine insgesamt unausgewogene unstete Lernkurve (a).

Der Unterschied ist wirklich erstaunlich deutlich.

Ein Spiel mit dem Hund als Abschluss einer Trainingseinheit ist eine hoch effektive Ergänzung zur Futterbestätigung

Ich habe mich bereits seit einiger Zeit dafür entschieden, eine Spieleinheit nach jedem Fund im Training einzubauen. Hierfür eignet sich sehr schön (neben natürlich vielen anderen Spielmöglichkeiten) die Variante, welche die Kollegen von der Kocher-Gruppe anwenden: die Versteckperson oder alternativ der Hundeführer selbst laufen nach einer kurzen Futterbestätigung mit einem großen „Hallo!“ vor dem Hund weg, der Sekunden später diese spielerische Jagd aufnehmen darf. Die Hunde lieben das. Das merkt man sofort. Darüber hinaus eignet sich diese Art der Bestätigung auch für die Fälle, bei denen man mit einer Versteckperson arbeiten muss, die (aus welchen Gründen auch immer) einfach nicht vernünftig auf den Hund eingehen und diesen bestätigen kann.

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen die Erfahrungen der Kollegen in den Kocher-Gruppen, dass ein ausgiebiges Spiel einen deutlich positiven Effekt auf den Trainingserfolg hat. Daneben gibt es noch eine Fülle weiterer varianten, wie mit dem Hund nach dem Training gespielt werden kann. Über Eure Spiele mit dem Hund beim Training freuen wir uns in den Kommentaren unter diesem Artikel!

Nachtrag:

Bei der Frage, welche Belohnung die effektivste ist darf aber vor allem nicht die soziale Komponente außer Acht gelassen werden. Darauf weisen die Autoren der Studie auch ausdrücklich hin. Sehr wahrscheinlich ist es vor allem das soziale Spiel mit dem Hundeführer, dass diesen positiven Effekt ausmacht. Würde der Hund sich selbst überlassen und allein für sich spielen ist der positive Lerneffekt möglicherweise sehr viel geringer. (danke Christine Schüler für den Hinweis!) Hierzu äußern sich die Autoren der genannten Studie wie folgt:

„Most importantly, all playful activity occurred in a human-dog social context. Beerda et al. showed that stressful events in a social context (a human opening an umbrella and the dog being forcefully, physically restrained by a human) when compared to a non-social context (sound blasts and electric shocks) did not induce cortisol level increases despite a similar pronounced heart rate increase in all conditions. Interestingly, Horváth et al. (2008) found that differing social contexts during play with humans had contrasting effects on salivary cortisol levels in dogs. Disciplinary behaviour towards police dogs resulted in a significant increase in cortisol. In contrast, affiliative behaviour towards border control dogs significantly decreased circulating cortisol levels. This corroborates findings from the current study where it is speculated that social play with the researcher modulated cortisol levels, which led to the observed decrease in the playful activity group.Further research is needed to test for replication of the current results, with special emphasis on the role of amygdala activation during playful activity, exercise and the possibility of perceived frustration in a social context during training.

Das wiederum würde auch dafür sprechen, dass die sogenannte Helferbindung, also die soziale Interaktion mit der Versteckperson einen positiven Effekt hat, der sich auch messbar nachweisen ließe.

Ein weiterer wichtiger Faktor scheint auch die Dauer der Spielphase zu sein. Immerhin dauerte diese in der Studie nicht ohne Grund 30 Minuten (10 aktives Spiel umrahmt von 10 Minuten Gassi gehen). Es kann nicht oft genug wiederholt werden, dass eine lange Bestätigungsphase am Ende mit der wichtigste Faktor im Training ist. Zu oft wird zu schnell die Bestätigung frühzeitig beendet, um sich an der Analyse und Besprechung des Trails zu beteiligen. Das ist ein Kardinalfehler! In einer gut eingespielten Trainingsgruppe sind die Rollen klar verteilt und derjenige, der den Hund bestätigt sollte diese Aufgabe vollständig erfüllen, bis der Hundeführer übernimmt. Katrin Kolbe gab mir insofern in einem Gespräch über diese Studie den wichtigen Hinweis, dass diese lange 30 Minuten Phase durchaus auch in eine Art Cool-Down-Phase übergeht oder übergehen kann. In jedem Fall ist entscheidend, dass am Ende spielerisch mit dem Hund sozial positiv aufgeladen mit dem Hund interagiert wird. Und das möglichst lange. Auch wenn das dazuführt, dass eine Besprechung oder ein Trail des nachfolgenden Teams verpasst wird.

(Foto: Oliver Liegmann - Playing dog | Spielender HundCC BY 2.0)

(Foto: Oliver Liegmann - Playing dog | Spielender HundCC BY 2.0)