Stiftung Warentest Hundetrockenfutter 06/2016 – alles geschoben?

Da war er nun, der Hundefutter Test von Deutschlands unabhängigen Testinstitut:

https://www.test.de/Hundefutter-trocken-im-Test-5020107-0/

Und klar: die Gemüter gingen hoch, als auch noch einige der sehr günstigen Sorten als „sehr gut“ getestet wurden. Zur Einordnung: Der Preisunterschied pro Mahlzeit zwischen dem günstigen mit „sehr gut“ getesteten Futter und dem mit „mangelhaft“ benoteten Futter lag beim Faktor 10. Also das teure mangelhafte Futter kostete das Zehnfache. Und das war auch noch das einzige Biofutter! Zudem, so liest man im Testbericht, sei auch noch der einzige Vorteil zum ebenso viel teureren Nassfutter das Wasser. Da kann doch was nicht stimmen. Wirklich?

Schauen wir uns doch einfach mal nüchtern die Fakten an, wie getestet wurde:

  • ERNÄHRUNGSPHYSIOLOGISCHE QUALITÄT: Eines der Hauptkriterien war, ob das Futter als Alleinfutter geeignet ist, also ob es den Hund ohne weitere Zusatzfütterung ausreichend mit allen Nährstoffen versorgt. Der Nähstoffmix muss also ausgewogen und volständig sein.
  • FÜTTERUNGSEMPFEHLUNGEN: Es wurde geprüft, ob vom Hersteller korrekt über die Futtermenge aufgeklärt wurde.
  • SCHADSTOFFE wurden ermittelt: die Futter wurden untersucht auf gesundheitlich relevante Stoffe wie Schwermetalle und Mineralöle, ob Schadstoffe wie Pestizide, Acrylamid oder Schimmelpilzgifte aus Getreidezutaten zu finden waren.
  • DEKLARATION UND WERBEAUSSAGEN: es wurde gepüft, ob die Angaben auf den Packungen vollständig und korrekt waren.
  • Das Gesamt-test-Qualitätsurteil durfte nach den Testkriterien nicht besser sein als das Urteil für die ernährungsphysiologische Qualität, wenn dieses befriedigend oder schlechter war.
  • Lautete die Note für Schadstoffe ausreichend, konnte das test Qualitätsurteil maximal eine halbe Note besser sein.
  • So war sicher gestellt, dass belastete und minderwertige Futter nicht in den guten bis sehr guten Notenbereichen auftauchen konnten.

Es wurde auch auf die gerne in den Foren kolportierten Horrorgeschichten über minderwertige Zusätze überprüft. Test schreibt dazu wörtlich:

Mit Borsten und Knorpel? Hartnäckig hält sich das Gerücht, Hundefutter enthalte Schlachtabfälle wie Knorpel, Borsten und Haare. Wir fanden bisher dafür keine Beweise, auch dieses Mal nicht. „Woher stammt die Annahme, dass … solche minderwertigen Nebenprodukte nicht verwendet werden? Liegen Ihnen dazu Analysen vor?“, fragte uns ein kritischer Leser. Wir fahnden per Mikroskop nach Teilchen. Einfach ist die Suche nicht. Doch Auffälligkeiten hätten wir bemerkt: Zellen mit anderen Strukturen als Fleisch, etwa Hornzellen. Wir prüften auch, ob die Futter Aroma-Lockstoffe enthalten, fanden aber nichts, was Hunde gezielt zum Fressen anregen soll.“

Insgesamt geht der Test auch allen weiteren Fragen nach, wie zum Beispiel, wieviel Fleisch das Futter enthalten soll und darf, wie es sich mit den Allergenen verhält, die Glutenfrage wird geklärt, dem Thema Getreide wird sachlich vollständig nachgegangen, wie auch Hinweisen zu Mineralölen und anderen Schadstoffen und nicht zuletzt das Thema Bio spielte eine Rolle.

Insgesamt ein vollständiger, sachlicher und ausgesprochen ausgewogener Bericht, mit einem durchaus beachtenswerten und (auch für mich) überraschenden Ergebnis.

Nur eine Frage, bleibt noch zu klären. Die Frage nach der Unabhängigkeit. Ist Stiftung Warentest nicht doch irgendwie finanziell am Umsatz der getesteten Produkte beteiligt? Ist damit nicht das gesamte Ergebnis verzerrt? Eine Verschwörung?

Wie schön, dass auch dieses Vorurteil durch andere Meinungen ausgeräumt werden kann: In einem Interview mit Prof. Dr. Ellen Kienzle, Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik der LMU München (übrigens genau die wissenschaftliche Fakultät, von der man sich hervorragende BARF Futterpläne individuell erstellen lassen kann http://www.ernaehrung.vetmed.uni-muenchen.de/service/ernaehrungsberatung/eb_hunde/index.html) antwortet sie auf die Frage, ob man besser Trockenfutter, Nassfutter oder selbst zubereitetest Futter füttern solle, wie folgt:

„Wichtig ist den Nährstoffbedarf zu decken. Das kann man auf verschiedene Art und Weise tun. Man kann natürlich selbst kochen, wenn man viel Zeit hat, es gibt aber auch sehr viele gute Fertigprodukte. Ich würde aber nicht sagen, dass das eine oder andere besser ist“

Das Ergebnis der Stiftung Warentest bestätigt diese unabhängige Aussage der Expertin: http://www.med.vetmed.uni-muenchen.de/downloads/pressemappe/roundtable-ern_nhrung.pdf

 

Die Ergebnisse im Detail:

Wer einen schnellen Überblick auf die getesteten Marken und die jeweiligen Benotungen haben möchte, wird in dem Beitrag der Augsburger Allgemeinen fündig. ABER ACHTUNG! Diese Aufstellung ist veraltet. Stiftung Warentest hat die Ergebnisse nochmal revidiert, weshalb einige Produkte um eine ganze Note augewertet wurden. Es ist daher zu empfehlen von der Homepage der Stiftung  Warentest den aktuellen Bericht zu erwerben!

(Foto: Ketzirah Lesser & Art Drauglis - Roadside dog food standCC BY-SA 2.0)

(Foto: Ketzirah Lesser & Art Drauglis - Roadside dog food standCC BY-SA 2.0)